Vermutlich stellt sich jede Person ihre ideale Organisation etwas anders vor. Je nach Vorlieben ist sie mal hierarchischer, mal kooperativer organisiert. Fakt ist: Aktuell sind noch viele Organisationen und Unternehmen in Deutschland deutlich hierarchisch aufgestellt. Das muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, denn mit guten Führungskräften und Mitarbeitenden lässt sich viel leisten und bewegen – egal in welcher Art von Organisation. Gerade im erfolgreichen Mittelstand finden sich meist eher hierarchische Strukturen – und dort sind viele Hidden Champions anzutreffen.

Worin liegt also die eigentliche Herausforderung? 

a) Top-Fachkraft ist nicht gleich Top-Führungskraft

b) Teamwork statt Einzelkämpfertum

c) Kooperation, Dialog und Vernetzung anstelle von Macht und Kontrolle

Warum ist das so?

a) Unsere Beobachtung ist, dass sich noch immer eher Fachkräfte die Karriereleiter hocharbeiten. Das ist insofern fair, als diese für ihre Kenntnisse und gute Arbeit belohnt werden. Allerdings ist eine Top-Fachkraft nicht immer automatisch eine Top-Führungskraft. Der Aufstieg innerhalb eines Unternehmens bedeutet nicht selten, dass man sich zu verkaufen weiß und besonders zu den in der Hierarchie Höhergestuften einen guten Draht hat. Das sind keineswegs pauschal schlechte Qualitäten, im Gegenteil, sich und die eigenen Themen verkaufen zu können, sind wichtige Fähigkeiten. Bleibt jedoch das eigene Fortkommen die alleinige Motivation, schadet dies dem geführten Bereich und der gesamten Organisation.

Ein (Hierarchie-)Allrounder mit der qualitativen Verbindung von fachlichen und nicht-fachlichen Themen, der/die Motivation für den Bereich sowie Geschick für das Austarieren von zum Teil konkurrierenden Zielen zeigt, ist noch zu selten anzutreffen.  

b) Leider finden sich zudem in der Führungsmannschaft noch zu häufig EinzelkämpferInnen wieder, die nicht selten, wie unter Punkt a) beschrieben, fachliche ExpertenInnen auf ihrem Gebiet sind und/oder sich auf eine exzellente Selbstvermarktung verstehen. Das dann zum Teil völlige Brachliegen von Teamwork ist eines der ganzen großen „Mankos“ in den Organisationen, welches durch Einzelkämpfertum und Box-/ Silo-Denken verschärft wird. 

Mit dieser Art von Unternehmensführung ist unternehmerisch wenig gewonnen. Der Konkurrenzkampf untereinander ist schädlich für wichtige Kooperationen zwischen Divisionen, Bereichen oder Teams.

c) Kennen Sie den stärksten Antrieb für Macht und Kontrolle? Häufig ist dies nicht der Wille zu gestalten, sondern Angst. Allerdings gibt es in den meisten Organisationen offiziell keine Angst, sie wird negiert. Offiziell wird maximal über Sorgen oder hier und da mal über Befürchtungen gesprochen.

Unter den größten Befürwortenden von Macht und Kontrolle finden Sie unserer Erfahrung nach auch die größten Status-Quo-BewahrerInnen. Natürlich wird häufig der Schein gewahrt und bei Veränderungen das Lied der Stunde mitgesungen. Im Unter- und im Hintergrund wird jedoch zum Teil gewartet, bis wieder die eigentlichen Aktivitäten gestartet werden, die das vorderste Ziel haben, die eigene Macht abzusichern und über alles Kontrolle zu haben.

Gibt es bereits solche Tendenzen in der Führungsmannschaft, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder eine spezielle und intensive Transformationsentwicklung von Führungskräften mit Team-Training und Einzelcoachings durchführen oder drastischere Maßnahmen ergreifen. Gerade für Transformationen ist es sehr hilfreich, im Vorfeld die Allrounder mit Qualitäten und Vernetzungen zu finden, die dann von Anfang an die richtigen Bewegungen anstoßen. Eins ist klar: Das bedeutet, klare Kante zu zeigen und mutig die Richtigen auf die entscheidenden Positionen zu setzen. 

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