Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind die Ansprüche an Führungskräfte und Teams in den letzten Jahren gestiegen. Diese erhöhten Anforderungen an das Individuum und das Miteinander sind unter anderem auch im sportlichen Bereich zu beobachten. Exemplarisch zählen z.B. die Sportarten Fußball oder Golf dazu – denn hier stiegen die Anforderungen ebenfalls an zwei verschiedenen „Sphären“: Einerseits in Bezug auf die Anforderungen an Athletik, Spielverständnis, Flexibilität in der Rolle sowie die Spielweise, andererseits in Bezug auf die mentalen, psychischen und physischen Fähigkeiten, auch unter hohem Druck den Ball sicher zu spielen. 

Wir haben in den vielen Jahren der verschiedensten Transformationen und Change-Situationen feststellen können, wie unterschiedlich Führungskräfte und Teams mit dem zunehmend wachsenden, mentalen Druck umgehen und was erfolgreiche Führungskräfte und Teams von anderen abhebt. Nämlich von solchen, die sich mit diesen neuen Wegen und Anforderungen schwerer tun. Aus diesen praxisrelevanten Erfahrungen haben wir in Anlehnung an den sportlichen Wettbewerbsgedanken das HMC Leadership Board entwickelt und setzen dies in der Weiterentwicklung der Führungskräfte und Teams ein – besonders mit dem Blick auf die besonders anspruchsvollen nationalen und internationalen Transformations- und Change-Programme. 

Die Abbildung verdeutlicht, dass unser Grundfundament die Erzielung der gesunden Spitzenperformance ist. Um die Sportmetapher erneut aufzugreifen: AthletInnen wissen um die Wichtigkeit der eigenen körperlichen und mentalen Stärke. Eine sehr gute Leistung kann zudem nur stabil abgerufen werden, wenn ganz konkret regelmäßig und zielgerichtet an den erforderlichen Qualitäten und Fähigkeiten gearbeitet wird. Im Vergleich zu den Erkenntnissen von Jim Collins (mehr dazu in Blog No. 18) geht es heute darum, das Fundament von sehr guten LeistungsträgerInnen, sowohl bei den Führungskräften als auch bei den Teams, zu verbreitern und gleichzeitig alle Führungskräfte und Teams im Leistungsniveau zu steigern. Wichtig: Es geht nicht darum, eine Art „Elite“ zu schaffen – im Gegenteil. Es geht darum insgesamt eine Entwicklung der organisatorischen oder unternehmerischen Mannschaft anzustoßen. Auch hier passt das sportliche Beispiel: Egal, ob im Fußball oder Handball, die Top-Mannschaften arbeiten alle an einem Teamgefüge, in dem eine größere Breite von sehr guten SpielerInnen vorhanden ist. So können Rotationen erfolgen, um Belastungen des/der Einzelnen zu reduzieren und gleichzeitig fördert der innere Wettbewerb insgesamt die intrinsische Motivation und somit die Leistungsfähigkeit. Das bringt alle in der Mannschaft weiter.  

In dem HMC Leadership Board ist dieser wichtige, sportliche Grundgedanke verarbeitet, um in den enormen aktuellen und zukünftigen, zum Teil disruptiven, Wandelerfordernissen bestehen zu können. Während in der Level-5-Hierarchie (dazu mehr in Blog No. 18) eine sehr strukturierte, ebenenorientierte Führungskompetenz dargestellt wird, geht das HMC Leadership Board von einer kreisförmig-dynamischen Bewegung aus. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass sich Unternehmen und Organisationen heutzutage in den meisten Fällen in sehr dynamischen Rahmen bewegen. Die Qualitäten „Flexibilität“ und „Chaos-Kompetenz“¹ sind somit zwei wichtige Detailbausteine, die heute und in der nahen Zukunft von großer Bedeutung sind und sein werden. Durch die zunehmende Vernetzung und Globalisierung haben sogenannte „Organizational Life-Events“²-Faktoren eine plötzliche, hohe Auswirkung auf den betrieblichen und organisatorischen Leistungsprozess. Daher kommt auch der Qualität „kreative Handlungsoptionen“ eine besondere Rolle im Leadership Board zu. Darüber hinaus liegen folgende exemplarische Inhalte dem Leadership Board zu Grunde, die wir immer wieder bei erfolgreichen, wettbewerbsaffinen Führungskräften und Teams festgestellt haben: 

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Es gibt sogenannte „Top-Driver“ im Team, die sich und das Team nach vorne bringen wollen. Dies können Führungskräfte, Projektleitende oder auch Teammitglieder sein. Diese Mitglieder verfügen neben einer sehr ausgeprägten intrinsischen Motivation auch über den instinktsicheren Blick für sich und die eigenen Leistungsmöglichkeiten sowieüber das aktuelle Leistungsvermögen des Teams. 

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In sehr guten Teams spielt die Hierarchie eine untergeordnete Rolle. Diese existiert zwar noch, wird jedoch im Hinblick auf die Arbeit an einem bestimmten Thema/ Ziel/ Projekt nicht als ausschlaggeben angesehen. 

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Es bedarf eines hohen Bewusstseins über die sichtbaren (fachlichen) und nicht-sichtbaren (nicht-fachlichen) Erfolgsfaktoren.

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Gesunde Performer verstehen es, neue Grenzen auszuloten und diese in geeigneter Weise auszuleben. Ihnen ist dabei wichtig, dass sich die Teams auf ein neues Level der Weiterentwicklung hinbewegen und dieses etablieren können. 

Mit dem HMC Leadership Board geht es um ein zentrales Vorgehen: die selbstorganisatorischen Innenkräfte mit den Führungskräften und Teams gemeinsam anzustoßen und zu entwickeln. Es ist daher kein externes oder internes Assessmentcenter oder ähnliches; es geht nicht um ein „Überstülpen“ – sondern um eine Art gemeinsames „Schatzkisten heben“. 

Abbildung:

©HMC

Fußnoten:

¹ Unter einer “Chaos-Kompetenz” verstehen wir ein Konglomerat aus verschiedenen Fähigkeiten und Strategien, um mit “Chaos” im naturwissenschaftlichen Sinne, umgehen zu können. In Blog 26 wird darauf noch näher eingegangen.

² Unter Organizational Live-Events verstehen wir signifikante, plötzlich eintretende Faktoren, die im erheblichen Umfang den betrieblichen Leistungsprozess und -erfolg beeinflussen. Z.B. durch gesetzliche Normenänderungen, Marktveränderungen durch Innovationen oder auch z.B. aktuelle die Corona-Pandemie.